Warum wir Fett werden – von Bösewichten und Helden im Kampf gegen Zucker

Erfahre Antworten zu folgenden Themen:

  1. Warum der hoher Zuckerkonsum nicht nur ein Problem für Pummelchen ist, sondern auch deins.
  2. Warum es nicht unsere Schuld ist.
  3. Entlarven wir die Schuldigen!
  4. Die Lösung: Das sind unsere Helden!

Teil 1: Da müssen wir jetzt durch – Bestandsaufnahme

Wie sich das für einen ernsthaften Artikel gehört, gib es erst einmal etwas Wissenschaft und ein paar Daten um ein bisschen Munition für die ganzen Nein-Sager zu haben. Bäm Bäm POW! Fangen wir also mit der ersten Frage an:

Warum ist hoher Zuckerkonsum kein alleiniges Problem der Fettleibigen?

Das Thema geht uns alle an, egal ob schlank oder füllig. 40% der normal gewichtigen Amerikaner leiden an den gleichen Krankheiten wie Fettleibige: Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Krebs und Demenz. Dünn oder normal gewichtig zu sein ist keine Gefängnis-Frei Karte. Auch Sport bietet keinen Schutz. Wusstest du, dass du nach einem SNICKERS-Schokoriegel ganze 8 km joggen musst, um den gesundheitsschädigenden Effekt auszugleichen? 8 km! Und dabei geht es nicht nur um Kalorien. Dünn bedeutet also nicht gesünder. Das Fett um unsere Organe (Eingeweidefett) ist das entscheidende. Bereits 40% der normal Gewichtigen haben zu viel davon. Dadurch haben sie das gleiche Krankheitsrisiko wie Fettleibige.

Wir werden immer fetter!

Und das ist keine Übertreibung. Bereits 70% der Amerikaner haben Übergewicht und 30% sind Fettleibig. Für 2050 wird erwartet, dass 30% der Amerikaner Diabetes-Typ-2 haben. In Deutschland sind bereits 52% der Erwachsenen übergewichtig. Und wir ahnen es, es gibt einen Unterschied zwischen Mann und Frau. 62% der Herren sind übergewichtig und nur 43% der Damen. Verdammt, bringt das Geknabbere am Salat also doch etwas? Liebe Männer, da müssen wir etwas dran ändern! Der Zuckerkonsum ist zu einer größeren Gefahr geworden, als Rauchen und Infektionskrankheiten.

Warum es nicht unsere Schuld ist

Jeder glaubt, dass Fettleibigkeit der persönlichen Verantwortung unterliegt. Der Willensstärke, der Disziplin: „Iss doch einfach nicht so viel.“

Hier sind 6 Gründe warum es nicht deine Schuld ist:

  1. Fettleibigkeit ist keine Wahl. Die Lebensqualität eines fettleibigen Kindes ist die Selbe wie eines krebskranken Kindes mit Chemotherapie. Kein Kind entscheidend sich freiwillig dafür.
  2. Diät und Training funktionieren nicht. Jeder kennt einen Star, der abgenommen hat. Schön. Aber die überwältigende Mehrheit von uns scheitert am Abnehmen und hat hinterher mehr auf den Rippen als zuvor.
  3. Die Fettleibigkeit ist bereits eine Pandemie. Sie ist ein globales Problem. Wir essen alle das globalisierte Industrieessen.
  4. Tiere in Gefangenschaft werden fetter. Die Tiere atmen dieselbe Luft und trinken dasselbe Wasser. Noch gibt es keine Erklärung dafür, aber ein spezifischer Umweltfaktor ist dafür verantwortlich.
  5. Die Armen zahlen mehr. Entweder weil sie nur eingeschränkten Zugang zu gesunden Lebensmitteln haben oder weil sie sich diese nicht leisten können.
  6. Der größte Anstieg in der Fettleibigkeit ist bei den jüngsten Patienten. Kinder zwischen 2 und 5 Jahren zeigen die größten Steigerungsraten. Es ist unmöglich hier persönliche Verantwortung oder freie Wahl zu unterstellen. Es gibt sogar eine Epidemie an Fettleibigen 6 Monate alten Babys.

Eine Kalorie ist nicht gleich eine Kalorie

Der Mythos, dass alle Kalorien gleich zählen, ganz egal wo sie herkommen, stimmt nicht. Eine Kalorie nicht gleich eine Kalorie. Verschiedene Kalorien werden im Körper unterschiedlich verarbeitet und wo diese anschließend hingehen, entscheidet welche Krankheit man bekommt. Du kannst nicht täglich 1500 Kalorien aus Gummibärchen essen und dabei dünn und gesund bleiben. Bei 1500 Kalorien aus Linsen sieht das anders aus.

Ist es das Insulin?

Wer sich, wie ich in meiner Studienzeit mit viel Zucker, wenig Ballaststoffen und niedriger Proteinqualität aus Pizza, Chicken Nuggets und Bürgern ernährt, treibt seinen Insulinspiegel in schwindelerregende Höhe. Die Folge: Energie wird in Fettzellen eingelagert, deine Leber verfettet und du wirst verdammt müde. Denn dafür wird deine ganze Energie aus Muskeln und Hirn abgezogen. Jackpot!

Auf der anderen Seite: isst du wenig Zucker, viele Ballaststoffe und qualitativ hochwertiges Eiweiß (Eier, Fisch, magere Mahlzeiten) sowie Vollkorn? Dann wird die Insulinantwort deutlich kleiner ausfallen. Energie geht nicht/kaum in Fettzellen. Der Energiehaushalt bleibt im Lot. Du nimmst nicht zu aber auch nicht ab und fühlst dich super.

Wichtig: Insulin macht Fett. Je kleiner die Schwankungen, desto weniger Fett.

Eine Sache noch, Leptin

Du hast Hunger oder bist satt? Leptin ist das Hormon der Stunde! Leptin und Insulin arbeiten zusammen. Insulin gibt Bescheid, wenn zu viele Nährstoffe vorhanden sind, die gespeichert werden müssen. Die Fettzellen produzieren Leptin das Bescheid gibt, ob genügend Speicherzellen für den Überschuss vorhanden sind.

Das Wichtige: du fühlst dich hungrig wenn Kalorien knapp werden und du fühlst dich satt, wenn du genügend Kalorien aufgenommen hast.

Die toxische Umwelt,

hat dazu geführt, dass unsere Vorfahren auf Zucker geprägt wurden. Süßes war eben nicht akut giftig. Die Zuckerliebe bis hin zur Sucht hat sich in unsere DNA gebrannt. Was damals aufgrund der sehr begrenzten Zuckerverfügbarkeit kein Problem war, sieht heute anders aus. Die DNA ist geblieben. Die Zuckerverfügbarkeit drastisch gestiegen. Heute an jeder Ecke. 80% aller 600.000 verfügbaren Lebensmittel wird Zucker hinzugefügt.

Unser Energiehaushalt ist durcheinander. Leute, wir müssen wieder mit Kochen anfangen um den Klauen der verarbeiteten Produkte zu entkommen. Wir gehen sonst vor die Hunde. Langsam, ganz langsam. Ich weiß wovon ich rede, ich habe eine Fruktoseintolleranz die wahrscheinlich zu meiner Laktoseintolleranz geführt hat und als Krönung gab´s Morbus Crohn gratis dazu. Jammy!

Und darum geht es in Wahrheit, das metabolische Syndrom

Fettleibigkeit ist keine Charakterschwäche, kein Verhalten, keine Krankheit. Fettleibigkeit ist kein Defekt in der Energiebilanz (Kalorien rein/Kalorien raus). Fettleibigkeit ist ein Defekt in der Energiespeicherung durch überschüssige Energie, die zu einer Veränderung der Biochemie und Hormonen führt.

Dieses Energieungleichgewicht führt u.a. zu: Diabetes Typ 2, Fettleber, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Krebs und Demenz. Das sind chronische metabolische Krankheiten die bei normal Gewichtigen und Übergewichtigen auftreten können. Fettleibigkeit ist also nicht die Ursache für diese Krankheiten, sonder nur ein Symptom.

Zu viel und zu schnell – Wie werde ich denn nun krank?

Sagen wir, du isst ein typisches McDonalds oder Burger King Essen. Pommes, Big Mac und „ausnahmsweise“ die voll-zucker Cola. Oder du machst dir eine Pizza zu Hause aus industriell hergestellten Zutaten. Dazu einen Salat mit Croutons und Fertigdressing. Als Nachtisch noch ein kleines Eis? Was passiert? Richtig, dein Energiehaushalt dreht durch. Zu viel Glukose, Fruktose, Fett und Protein. Als wäre das nicht genug, fehlt eine ganz entscheidende Komponente: Ballaststoffe! Die werden dringend benötigt um die Nährstoffaufnahme zu drosseln. Die Nährstoffe rauschen also fast ungehindert direkt zur Leber. Alle zusammen. Die Leber freut sich irgendwie nicht so recht. Soviel kann sie gar nicht verbrennen. Sie weiß nicht wohin damit. Also wird erst mal zwischengelagert. In Leberfett.

Jetzt wird´s spannend! Der Leber geht die Kraft aus. Zur Unterstützung sendet die Bauchspeicheldrüse Kraftstoff in Form von Insulin aus. Energie wird wieder in Fettzellen eingelagert.

Der Teufelskreis beginnt

Fast Food oder industrielles Essen jeden Tag? Mit Nährstoffüberschuss?

Überschüssiges Insulin bedeutet überschüssiges Fett. Check! Überschüssiges Insulin bedeutet aber auch, dass dein Gehirn nicht weiß ob Leptin arbeitet. Oh! Dadurch denkt dein Gehirn das du hungerst und du fängst an zu essen. Der Spaß beginnt: Je mehr du isst, desto höher steigt dein Insulinspiegel und desto mehr denkt dein Hirn das du hungerst! Deine Leber verfettet. Du wirst träge und krank.

Wie kann all das passieren, wenn du doch Diät hältst und „fettreduziert“ kaufst? Warum ist unser Insulinspiegel doppelt so hoch, bei der gleichen Menge an Glukose, wie bei Menschen vor dreißig Jahren? Warum sind wir allgemein fetter, obwohl wir die gleichen Mengen essen?

Teil 2: Entlarven wir die Schuldigen. Von Zucker bis Aminosäure

Bösewicht Nr. 1: Fruktose – ein wahrer Teufel im Schafspelz

Heimtückisch und omnipräsent, abhängig machend. Weißer Zucker besteht aus 2 Teilen: Glukose und Fruktose. Glukose ist nur leicht süß. Fruktose hingegen ist der süße Anteil. Lecker! Darum lieben wir Zuckerwürfel! Leider kann der Körper mit Fruktose wenig anfangen. Laut Dr. Robert Lustig gibt es nicht eine biochemische Reaktion, die Fruktose benötigt. Fruktose ist nach Dr. Lustig eine Energiequelle und kein Nährstoff.

Fruktose verursacht das Metabolische Syndrom. Und das macht dich krank. Wieso? Die Leber hat einen schweren Job Fruktose umzusetzen und wandelt Fruktose in Leberfett um. Einmal metabolisches Syndrom bitte! Dein Insulin schnellt in die Höhe und du wirst noch dicker.

Tipp: Wenn auf Fruktose verzichtet wird, fallen 80% der ungesunden Lebensmittel weg.

Bösewicht Nr. 2: Transfette

Diese erhöhen die Lebensdauer von Lebensmitteln, da Bakterien diese nicht verdauen können. – Wir eigentlich auch nicht. Deshalb kleben die blöd überall da wo sie keiner braucht: Arterien und Leber.

Bösewicht Nr. 3: Omega-6 Fettsäuren

Omega-6 Fettsäuren, die Entzündungen hervorruft, sollten im Verhältnis 1:1 zu Omega-3 Fettsäuren stehen, die Entzündungen bekämpfen. Das ist leider oft Wunschdenken, denn heute haben wir zumeist 25 mal mehr Omega-6 Fettsäuren als Omega-3 Fettsäuren. Hervorragend für Herzinfarkt, Diabetes und Krebs.

Bösewicht Nr. 4: Alkohol

Wir ahnen es, in größeren Mengen wird Alkohol zu Leberfett, weil sich die Leber nicht mehr zu helfen weiß. Ich sage nur: Bierbauch.

Bösewicht Nr. 5: verzweigte Aminosäuren

Eigentlich super zum Muskelaufbau gibt es spezielle Proteinpulver mit Leucin, Isoleucin und Valin. Wird jedoch kein Sport gemacht, haben wir den gleichen Effekt: Leberfett. verzweigte Aminosäuren sind in hohen Konzentrationen in eingefüttertem Rind, Hähnchen und maisgefüttertem Fisch.


Abbildung 1: Übersicht über verschiedene Fette, deren Herkunft und Wirkung

Nahrungsfett_Quellen_und_Wirkung_SlowCarb


Teil 3: Die Lösung und hier sind unsere Helden

Wir haben einiges vor. Wir wollen die Insulinresistenz stoppen und die daraus resultierende Leptinresistenz, die uns das Gefühl gibt, gleich zu verhungern. Insulin ist also unser Hauptziel, nicht Kalorien! Der Insulinspiegel muss unten bleiben! Wie machen wir das? Es gibt drei Helden:

Held Nr. 1: Ballaststoffe

Richtig, Ballaststoffe sollten als extrem wichtige Nährstoffe angesehen werden. Nicht nur weil sie dem AA eine schöne Form verleihen. Sie formen eine Art Puffer zwischen Essen und Darm. Sie verlangsamen dadurch die Nährstoffaufnahme und damit auch die Umwandlung von Nährstoffen in Energie. Und das ist entscheidend! Mitochondrien, Pankreas und Leber bekommen die Energie langsamer und gleichmäßiger und können diese verarbeiten. Sie müssen den Überschuss also nicht in Fettzellen zwischen lagern. Schön ist auch, dass unser Essen langsamer durch den Darm flutscht und dem Hirn Zeit gibt. Zeit zum verarbeiten der Information „Da ist was.“ bis „Ok, bin satt! Nahrungsaufnahme bitte beenden!“

Held Nr. 2: Omega-3 Fettsäuren

Diese entzündungshemmenden Säuren halten Omega-6 in Schach. Iss, denn dein Körper kann sie nicht selber machen. Du findest sie in Algen und Wildfisch der Algen genascht hat. Auch in Leinsamen und Hühnchen dass Omega-3 reich gefüttert wurde.

Held Nr. 3: Mikronährstoffe

Es gibt Studien die zeigen, dass heutiges Gemüse weniger Nährstoffe enthält als früher. Da Gemüse nach Gewicht verkauft wird, liegen Zuchtziele i.d.R. auf Größe und Süße und nicht auf Nährstoffreichtum. Dennoch braucht es i.d.R. keine Nährstoffzusätze aus dem Drogeriemarkt. Und auch nicht zwangsläufig Bio. Bio sollte man eher wählen, wenn einem die Anbaubedingungen und die Umwelt wichtig sind. Dein Körper freut sich jedoch wahnsinnig über Blätter in Form von Spinat und Kohl und ganz viel, wirklich sehr viel anderes Gemüse!